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dc.contributor.author
Moor, Reto
dc.date.accessioned
2017-07-13T10:38:51Z
dc.date.available
2017-06-09T16:57:43Z
dc.date.available
2017-07-13T10:38:51Z
dc.date.issued
2004
dc.identifier.uri
http://hdl.handle.net/20.500.11850/40477
dc.identifier.doi
10.3929/ethz-a-005226763
dc.description.abstract
Der Kanton Uri wird seit vielen Jahrhunderten vom Verkehr am Gotthard geprägt. Nachdem dieser Verkehr ursprünglich zu Fuss und mit Saumtieren, später mit Pferden und Wagen bewältigt wurde, erfolgte 1869 der Beschluss, den Gotthard mittels einer Eisenbahn zu durchqueren. 1882 konnte das von Schweizer Kantonen, Deutschland und Italien mitfinanzierte „Jahrhundertwerk“ dem Verkehr übergeben werden. In Uri versprach man sich ein Verkehrswachstum, welches dem Kanton Beschäftigung und Verdienst, mithin ein goldenes Zeitalter bescheren sollte, weshalb der Kanton eine Million Franken an Subventionen für die Gotthardbahn-Gesellschaft sprach. Doch bereits der Bau der Bahn brachte erste Enttäuschungen und finanzielle Probleme für Uri. Aufgrund der Subvention musste der Kanton im Jahr 1875 direkte Steuern einführen. Mit der Inbetriebnahme am 1. Juni 1882 folgte der Zusammenbruch der alten Wirtschaftsverhältnisse und viele Urner entlang dem alten Gotthardweg verloren ihre Arbeit, was sich unter anderem in einer Auswanderungswelle niederschlug. Die Bahn wurde jedoch zu einem spektakulären Erfolg. Die Zahl der Reisenden und der transportierten Güter übertraf alle Erwartungen, was sich in positiven Abschlüssen äusserte. Einige Jahre nach der Eröffnung der Bahn folgte auch für Uri der erhoffte Aufschwung und die Bahn wurde zu einer wichtigen Arbeitgeberin. 10 Jahre nach der Eröffnung schrieb das „Urner Wochenblatt“, dass man die Bahn, obschon sie den Urnern viel Ungemach brachte, nicht mehr zurückgeben möchte, da die positiven Auswirkungen überwiegen würden. In den folgenden Jahrzehnten sollte diese Überzeugung immer stärker werden, was sich unter anderem in grossartigen Jubelfeiern zum 50jährigen Bestehen manifestierte. Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte der motorisierte Individualverkehr einen rasanten Aufschwung, so dass die Verkehrsinfrastruktur am Gotthard dem Ansturm nicht mehr gewachsen war und erneut eine Umfahrung des Übergangs drohte. Im Kanton Uri setzte sich die Bevölkerung mit Vehemenz für den Bau einer Autobahn und eines Strassentunnels ein, welcher den Gotthard zur ganzjährigen Verbindung machen und die Abhängigkeit vom umständlichen Bahnverlad auflösen würde. Uri erhoffte sich wie hundert Jahre zuvor beim Bau der Gotthardbahn einen wirtschaftlichen Aufschwung durch den anwachsenden Verkehr und eine Beruhigung der Situation in den Dörfern, welche am Verkehr zu ersticken drohten. Die Nationalstrasse N2 fand 1960, der Strassentunnel erst nachträglich 1963 Aufnahme ins Nationalstrassennetz. Das erste Teilstück der Nationalstrasse in Uri konnte 1971 eröffnet werden und acht Jahre später, am 1. September 1980 erfolgte die Inbetriebnahme des Gotthard-Strassentunnels. Im Dezember des selben Jahres folgte mit dem Seelisbergtunnel das letzte Teilstück und die durchgehende Eröffnung der Nationalstrasse in Uri. Der Verkehr auf der N2 vervielfachte sich in den zwei Jahrzehnten ihres Bestehens, wobei besonders der Schwerverkehr eine überdurchschnittliche Zunahme erfuhr. Die Auswirkungen auf Uri stellten sich anders dar, als erhofft. Der Verkehr auf der alten Gotthardstrasse blieb aus und damit die Verdienstmöglichkeiten vieler Urnerinnen und Urner, welche vom Gotthardverkehr gelebt hatten. Durch die Kanalwirkung der neuen Strasse mit wenigen Ausfahrten wurde die Bindung zwischen dem Verkehr und dem Tourismus aufgelöst, da der grosse Verkehr den Kanton durchfährt. Bis anhin hiess mehr Verkehr gleichzeitig bessere Verdienstmöglichkeiten, doch währenddem der Vekehr sprunghaft anstieg, erlebte der Tourismus einen Rückschlag. Uri blieb der Lärm und die Emissionen des Verkehrs, eine angespannte finanzielle Situation des Staatshaushaltes und als grosser Vorteil die gestiegene Lebensqualität in den Dörfern, welche aufatmen konnten. Beim Bahn- und beim Nationalstrassenbau hatte Uri pro Kopf die höchsten Beiträge zu zahlen, da die Region die grössten Vorteile ziehen könnte. Doch sollte sich herausstellen, dass die grössten Vorteile in den grossen Zentren wirksam wurden, währenddem die durchfahrenen Regionen Nachteile zu gewärtigen hatten. Das Urserntal, welches sich um 1960 vehement für den Strassentunnel ab Hospental eingesetzt hatte, um nicht ein weiteres Mal von allem Verkehr unterfahren zu werden, erfuhr hingegen eine vorteilhafte Entwicklung. Die Region ist durch die Autobahn bis Göschenen und den Ausbau der Schöllenenstrasse sehr gut erschlossen, blieb aber von den nachteiligen Auswirkungen der Nationalstrasse weitgehend verschont. Beide Bauwerke waren Reaktionen auf die Entwicklung des Verkehrs am Gotthard. Die Route musste für den angestiegenen Verkehr bereit gemacht werden, um ihre Stellung und damit den Verkehr nicht zu verlieren. Die Bevölkerung unterstützte diese Vorhaben, da der Verkehr eine wichtige Einkommensquelle in Uri bedeutete. Die grossen Erwartungen der Urner erfüllten sich nicht, das Verkehrswachstum brachte nicht mehr Verdienstmöglichkeiten. Bis zur Eröffnung der N2 waren die Urner dem Verkehr wohlgesinnt, doch als Folge der Inbetriebnahme der Autobahn änderte sich diese Haltung. Die Kosten und die Nutzen der neuen Verkehrsinfrastruktur fielen an räumlich unterschiedlichen Orten an. Während die Zentren profitieren konnten, blieben den durchfahrenen Regionen vor allem die nachteiligen Auswirkungen. Die veränderte Haltung in Uri drückte sich 1989 in der Urner Standesinitiative „Schutz vor dem Transitverkehr“ aus, welche das Alpengebiet vor den negativen Auswirkungen des Transitverkehrs schützen und den alpenquerenden Transitverkehr auf die Schiene verlagern wollte. Die Initiative fand in Uri fast 90 Prozent Zustimmung. Im Februar 2004 lehnten die Urner Stimmberechtigten auch den Gegenvorschlag zur Avanti-Initiative mit knapp 75 Prozent ab, welche die Möglichkeit eines zweiten Strassentunnels am Gotthard vorsah. Die Urnerinnen und Urner fürchten sich vor mehr Verkehr, da dieser mittlerweile mehr Vorteile als Nachteile mit sich bringt. Die Zukunft des Lebensraums Uri wird davon abhängen, wie der Verkehr in Zukunft bewältigt wird. Der Bau der NEAT (Neue Eisenbahn Alpentransversale) soll mittels Basistunnel durch den Lötschberg und den Gotthard die Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene bringen. Es ist zu wünschen, dass dieses Ziel erreicht werden kann, so dass der immer noch stetig ansteigende Verkehr möglichst nachhaltig abgewickelt werden kann.
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application/pdf
dc.language.iso
de
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dc.publisher
Institut für Verkehrsplanung und Transportsysteme, Eidgenössische Technische Hochschule Zürich
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Ausbau der Bahn und Strasseninfrastruktur am Gotthard von 1850 bis 2004
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Master Thesis
dc.rights.license
In Copyright - Non-Commercial Use Permitted
ethz.title.subtitle
Hoffnungen, Befürchtungen und Auswirkungen im Kanton Uri
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308 p.
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DDC - DDC::6 - Technology, medicine and applied sciences::624 - Civil engineering
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Zürich
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