Unsere Moral und die humane Lebensform
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Date
2022-05
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Abstract
„Unsere Moral“ meint eine menschenrechtsbasierte Moral und z.B. keine autoritäre Scharia-Moral. Gibt es verbindende Gemeinsamkeiten zwischen Menschen, die zur Begründung einer solche universalistische Moral beitragen? - Ja, Probleme, die sich allen Menschen aller bekannten Kulturen in ihrem Zusammenleben stellen, weil diese Probleme in der humanen (= menschentypischen) Lebensform wurzeln.
Moralische Probleme (nicht alle!) gründen (i) in einem Zuviel an Sozialität und Zuwenig an Individualität; oder (ii) in einem Zuwenig an Sozialität und Zuviel an Individualität. (i) zeigt sich z.B. in „gierigen Institutionen“ (Lewis Coser) wie Sekten, militaristischen Organisationen, religiös-fundamentalistischen Gemeinschaften, autoritären oder totalitären Gesellschaften. (ii) zeigt sich z.B. in fehlendem Gehör und Responsivität, geschlossenen Gesellschaften und Mangel an Solidarität.
(i) und (ii) wurzeln auch in der humanen = menschentypischen Lebensform, weil diese Lebensform durch einen semi-sozialisierten Status des Menschen charakterisiert ist.
Die anthropologische Behauptung ist, dass es kulturell invariante Eigenschaften einer humanen Lebensform gibt. Der Test auf Gültigkeit dieser Behauptung ist die Anwendung eines sinnkritisches Eliminationskriteriums:
Etwas (= y), gehört zu einer humanen Lebensform, wenn wir uns und andere Lebewesen dann nicht mehr verstehen könnten, wenn y wegfiele. Y = eine generische sprachliche oder nicht-sprachliche Tätigkeit oder eine Art des Erlebens, des Verstehens oder Urteilens.
Menschenrechte lassen sich als Antworten auf die Frage verstehen: Wie kann man am besten Probleme im menschlichen Zusammenleben lösen, die sich aus dem semi-sozialisierten Status des Menschen ergeben? Zu diesem Status gehört es auch, etablierte, autorisierte Antworten auf praktische Fragen in Frage zu stellen. Deshalb ist der Gehalt von Menschenrechten nicht historisch invariant fixiert. Die pragmatische Funktion von Menschenrechten, ihre raison d’être erlaubt eine Anfechtung des fixierten semantischen Gehalts dieser Rechte. Diese Anfechtung spiegelt die Dynamik der menschlichen Lebensform wider, die sich aus der prekären Balance zwischen Sozialität und Individualität ergibt.
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published
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Book title
Natur, Ethik und Ästhetik
Journal / series
Volume
36
Pages / Article No.
49 - 79
Publisher
Brill Mentis
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Date collected
Date created
Subject
morality; human life form; human mind; human rights; sociality; individuality; human nature and ethics; universalistic ethics; pluralism of life forms; human rights as essentially contesting; open question argument; anti-relativism
Organisational unit
03783 - Wingert, Lutz (emeritus) / Wingert, Lutz (emeritus)